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Neue Entwicklungen des MIDI-Standards

Was genau ist MIDI, wie ist es entstanden und wie geht es weiter. Der Beitrag gibt einen Überblick.
Yutaka Hasegawa, Vorsitzender der AMEI (der japanischen MIDI-Organisation) beim Treffen der MMA 2018. Foto verwendet mit Genehmigung der MMA.
Yutaka Hasegawa, Vorsitzender der AMEI (der japanischen MIDI-Organisation) beim Treffen der MMA 2018. Foto verwendet mit Genehmigung der MMA.

Im vergangenen Januar hat die MIDI Manufacturers Association (MMA) ihr jährliches Treffen abgehalten. Es wurde ein neuer Standard für das Zusammenspiel von MIDI-Geräten verabschiedet, der den Weg in eine bessere Zukunft ebnen wird. Ich möchte hier über einige der wichtigen Änderungen berichten. Aber zuvor hier ein paar Hintergründe zum aktuellen MIDI-Standard.

Die Ursprünge von MIDI

Der MIDI-Standard wurde erstmalig im August 1983 veröffentlicht. MIDI steht für „Musical Instrument Digital Interface“ (digitale Schnittstelle für Musikinstrumente). Er wurde dazu geschaffen, beliebige digitale Musikinstrumente mit Hilfe eines einzigen billigen Kabels zu verbinden. Heute erscheint uns das selbstverständlich, aber damals war das wie ein Wunder. Stellen Sie sich vor, dass etwas wie „The Well-Tempered Synthesizer“ ohne MIDI geschaffen wurde. Der Standard beschreibt das Verbindungskabel, die elektrische Spezifikation der Anschlüsse, und er definiert ein serielles Kommunikationsprotokoll für das Senden und Empfangen von musikalischen Daten.

Dieses Protokoll ermöglicht eine große Bandbreite von Anwendungen. Geräte können:.

  • Die Wiedergabe einer Note auslösen und dabei in vielen Parametern steuern.
  • Aufnahmegeräte (MIDI Machine Control) oder Livetechnik steuern (MIDI Show Control).
  • Synchronisieren (MIDI Timecode und MIDI Beat Clock).

Zusätzlich wurde ein Satz von Klängen festgelegt, der sicherstellt, dass wiedergegebene MIDI-Daten unabhängig vom verwendeten Klangmodul sinnvoll klingen (General MIDI).

Die Jahrzehnte vergehen

Als 1983 MIDI geschaffen wurde, konnten nicht alle Entwicklungen der letzten 35 Jahre vorhergesehen werden. Das Erscheinen der Digital Audio Workstations (DAW) mit ihren leistungsfähigen Sequenzer-Funktionen haben Komponisten die Möglichkeit gegeben, die feinsten Details einer Einspielung zu kontrollieren. Größere Kontrolle bedeutet aber, dass eine höhere Präzision und die Möglichkeit des Austauschs größerer Datenmengen zwischen Geräten benötigt wird.

Das Konzept von Steuerdaten mit 7 Bit (teilweise 14 Bit) – während heutige Computer Daten mit 64 Bit verarbeiten – bei einer Datenrate von 31.250 Bit pro Sekunde (der durchschnittliche Internetanschluss heute ist ca. 2.000 Mal so schnell) zeigt, dass eine verbesserte Spezifikation notwendig ist, damit MIDI so funktioniert, wie wir es von heutigen Geräten erwarten.

Aber bevor dies möglich ist, muss sicher gestellt werden, dass ältere Geräte mit neuen zusammen funktionieren, und hier kommt der kürzlich verabschiedete MIDI-CI-Standard ins Spiel. MIDI-CI steht für „MIDI Capability Inquiry“. Dieser neue Standard ermöglicht einem MIDI-Geräte-Hersteller drei neue Funktionalitäten:

Protokoll-Ermittlung (Protocol Negotiation)

Dieser Teil der Spezifikation ermöglicht zukünftigen Geräten, die Möglichkeiten eines angeschlossenen Geräts zu ermitteln und ein neueres MIDI-Protokoll zu verwenden, sofern dieses verfügbar ist, oder andernfalls auf MIDI 1.0 zurückzuschalten. Sobald dieses zukünftige Protokoll verabschiedet ist, werden größere Auflösung der Steuerdaten, mehr Kanäle, verbesserte Performance und mehrdimensionale Ausdrucksdaten möglich sein. Die MIDI-CI-Spezifikation wird sicherstellen, dass diese neuen Geräte so gut wie möglich mit beliebigen anderen MIDI-Geräten zusammenspielen. Dieses neue Protokoll wird in naher Zukunft zur Verfügung stehen, aber MIDI-CI unterstützt auch einige neue Funktionen, die die Hersteller bereits heute übernehmen können.

Profilkonfiguration (Profile Configuration)

Hiermit wird ein Satz von MIDI-Nachrichten für ein bestimmtes Instrument definiert, der im großen Ganzen standardisiert, wie Klassen von Instrumenten gegenseitig gesteuert werden. Angenommen Sie besitzen ein großartiges Tonmodul mit Hammond-B3-Klang und einen generischen MIDI-Controller, der MIDI-CI unterstützt. Sobald Sie diese Geräte verbinden und das Orgel-Profil laden, wird das Modulationsrad automatisch für die Steuerung des Leslie-Simulators verwendet werden – vorausgesetzt, dies ist das am besten geeignete Bedienelement. Das heißt die Zeiten der manuellen Zuordnung von Tasten und Reglern für die Steuerung gängiger Instrumente wird bald vorüber sein.

Austausch von Eigenschaften (Property Exchange)

Property Exchange erlaubt den Geräten, ein anderes Gerät nach einer Reihe von Eigenschaften zu fragen. Dazu gehören Dinge wie die Listen der vorhandenen Klänge, die Namen von Bedienelementen oder Auflösungen. Mit MIDI-CI wird es für Finale möglich, Ihr MIDI-Keyboard nach dessen Klangliste zu fragen und den Klangauswahldialog entsprechend zu befüllen, ohne dass eine Konfiguration von Hand vorgenommen werden müsste. Wenn Sie auf Ihrem MIDI-Keyboard einen neuen Klang erstellen, könnte Finale dies ebenfalls automatisch erkennen und zur Auswahl hinzufügen.

Was kommt als nächstes?

Es wird eine Weile dauern, bis sowohl Software- als auch Hardware-Hersteller die neuen Möglichkeiten vollständig unterstützen. Es wird auch notwendig sein, die Hersteller etwas zu bedrängen, die durch MIDI-CI möglichen neuen Funktionen umfassend zu unterstützen. Aber jetzt wo Sie wissen, was diese neuen Möglichkeiten sind, sind Sie besser gerüstet nach dem zu Fragen, was Sie wünschen.

Bild von Matthew Logan.

Matthew Logan

Matthew Logan ist der technische Leiter für Finale und entwickelt seit den frühen 90ern Multimedia-Software. Er hat Software entwickelt für Ausstellungsstücke in Wissenschaftsmuseen, für Spiele (einschließlich Noten und Audioaufnahme), Notationsprogramme, digitale Audio-Workstations, Software-Synthesizer, Gitarren-Prozessoren, netzgestützte Video-Produktion und netzgestütztes Mastering.